Chronik der Panzerpionierkopmpanie 180

Wappen der PzPiKp 180
Wappen der PzPiKp 180

Mit dem Aufstellungsbefehl Nr 236 (Heer) beginnt die Geschichte der Panzerpionierkompanie 180. Das 1. Korps stellt ab dem 01.03.1959 in Plön die neue Kompanie auf. Als Endstandort ist Eutin geplant und eine Sollstärke von 155 Mann.

Hauptmann Tiepold, der dienstälteste Kompaniechef des Pionierbataillons 6 übernimmt als erster Chef die Panzerpionierkompanie 180. Die ersten beiden Jahre sind vor allem durch den Aufbau der Kompanie geprägt. Die Panzerpionierkompanie 180 ist zu diesem Zeitpunkt mit dem Schützenpanzer HS 30, dem Gleiskettenräumgerät und dem Brückenlegepanzer M 48 ausgestattet.

Bereits 1961 werden die HS 30 durch den MTW 113 ausgetauscht. Der anstehende Umzug wird durch die katastrophalen Zustände in Eutin getrübt, fehlende Fensterscheiben, dunkle und ungepflegte Räume und herausgerissene Fußböden werden durch die Kameraden der Kompanie wieder in bewohnbare Zustände gebracht.

Zum ersten großen Einsatz der Kompanie kommt es 1962 bei der Flutkatastrophe in Hamburg. Auch im Jahr 1965 beherrschen Einsätze für die Bevölkerung die Arbeit der Kompanie. Während im Januar durch starken Schneefall die Räumung von Straßen auf dem Programm stand, erfolgen im Dezember zwei weitere Einsätze. In der Ortschaft Lebatz wurde eine Straße auf eine Länge von 200m durch starken Schnellfall und anschließendes Tauwetter unterspült und brach ein. Ebenso drohte der Ukleisee überzulaufen, sodass die Pioniere einen Damm aus Sandsäcken errichteten.

Der Höhepunkt der diesjährigen Pionierausbildung ist der Übungsplatzaufenthalt in Ingolstadt vom 11.08-01.09.1966.

Zusammen mit dem le PiBtl 537 und dem PiZg PzAufklBtl 6 wird im Straßen-und Eisenbahntransport an die Donau verlegt. Das Ausbildungsprogramm enthält wieder alles, was das Pionierherz erfreut Kriegsbrückenbaubau von Schützenschwimmstegen und das Fahren auf dem Wasser. 

Im März 1967 gewinnt der Hauptgefreite Hoffmann das Preisausschreiben „Kompaniewappen“. Das von ihm entworfene Wappen ist, mit kleinen Ergänzungen, bis zur Auflösung der Kompanie aktuell. Die Übergabe der Kompanie von Hauptmann Domrös an Hauptmann Freitag erfolgt am 06.10.1967. Im November nimmt die ganze Kompanie an der NATO-Übung „BIG-BRISK" teil. Vom 22.04.-03.05.1968 verlegt die Kompanie auf die Insel Sylt. Auftrag ist es, alte Bunkeranlagen aus dem II. Weltkrieg zu sprengen und den Schutt abzutransportieren. Selbstverständlich springen auch einige sonnige Stunden an den Sylter Stränden für die Soldaten ab.

Wieder ist ein Einsatz gegen die Schneemassen in Schleswig-Holstein erforderlich. Am 18. und 19. März 1969 rückt die Kompanie insgesamt 18 mal aus, um mit Soldaten und Pioniergerät Unterstützung zu gewähren. Am 10.11. heißt es Abschied nehmen. Die Panzerpionierkompanie 180 wird von Eutin nach Boostedt, in die Rantzau-Kaserne verlegt.

Vom 02.-08.09.1971 nimmt die Kompanie an der NATO-Übung „BRICK STONE“ teil. Der Höhepunkt dieser Übung liest sich in einer Lokalzeitung wie folgt:

Als Höhepunkt des NATO-Manövers " BRICK-STONE " demonstriert die 18. deutsche Panzerbrigade die Überquerung des Nord-Ostsee-Kanals. Einige tausend Schaulustige und mehrere hundert Gäste in Zivil und Uniform, unter ihnen der dänische Verteidigungsminister Oestergaard, Bundestagspräsident von Hassel und Ministerpräsident Dr. Stoltenberg sind dabei als der Befehlshaber der NATO Landstreitkräfte Schleswig-Holstein und Jutland, der dänische General Skriver-Jensen darauf hinweist, dass die NATO den Frieden bewahren will."

Am 19. März 1972 übergibt der Hauptmann Freitag die Kompanie, nach einer 4,5 jährigen Tätigkeit als KpChef, an den Hauptmann Erbe. Dieser wird das Kommando jedoch nicht lange innehaben, am 14. August wird der Hauptmann Burdack neuer Kompaniechef. Im Juni wird der "Tag der offenen Tür" durchgeführt.

Nachdem die Kompanie nun 3 Jahre ihren Dienst in Boostedt geleistet hat, wird es wieder einmal Zeit für einen Umzug. Es gibt doch tatsächlich Standorte, in denen die PzPiKp 180 bisher noch nicht Zuhause war. Die Trave-Kaserne in Lübeck wird die neue Heimat für die Kompanie und es ist ja auch schön, einmal in einer reinen Pionierkaserne beheimatet zu sein. Der Umzug wird im Januar 1973 abgeschlossen sein. In der Trave-Kaserne ist bereits ein Pionierbataillon und die Panzerpionierkompanie 170 vertreten, somit sind in Lübeck nahezu die Hälfte aller Pioniere in Schleswig-Holstein stationiert.

Im Jahre 1975 wird die Kompanie mit dem Brückenlegepanzer BIBER ausgestattet und stellt damit in der schleswig-holsteinischen Pionierlandschaft ein Alleinstellungsmerkmal dar.

Am 30.06.1978 tritt die Kompanie im T-Bereich an, die Führung wird von Hauptmann Hildebrandt auf den Hauptmann Naue übertragen. Höhepunkt des Jahres ist die NATO-Übung "BOLD GUARD" ,die schon frühzeitig mit einer Schwemme von Befehlen, Vorbefehlen, Erkundungen, Weiterbildungen und der Stabsrahmenübung „STARKER BÜFF'EL“ ihre Schatten vorweg wirft.

Wie schon in den ersten beiden Jahren ihres Bestehens, ist die Kompanie auch im Jahr 1979 wieder im Katastropheneinsatz gefordert. Vom 01.-05.Januar 1979 rückt die Einheit aus, um mit Personal und Material bei der Bekämpfung der Schneemassen zu helfen. Der zweite Einsatz dieser Art erfolgt dann vom 12.-17.Februar.

Am 01.März jährt sich das Bestehen der PzPiKp 180 zu 20.mal, aus diesem Anlass wird am 31.März eine Jubiläumsfeier durchgeführt. Der KdrBrigEinh hebt in seiner Rede die besonderen Verdienste der Kompanie sowohl im militärischen als auch im zivilen Bereich, anlässlich vieler Katastrophen und Hilfseinsätze, hervor. Bei diesem" Tag der offenen Tür " erscheinen ca. 500 Gäste, die von dem reichhaltigen und interessanten Programm das ihnen an diesem Tag geboten wird begeistert sind. Am 24.Mai wird der " Tag der Lübecker Pioniere Federführung des PiBtl 610, durchgeführt.

Ein Kleidungsstück wird 1980 in der Kompanie eingeführt, an dem sich die Geister scheiden - das rote Barett. Noch ahnt niemand, wie viele verschiedene Tragemöglichkeiten im Laufe der Zeit für dieses Barett entstehen werden. Das einschneidenste Ereignis des Jahres ist zweifelsohne die Einführung des Transportpanzers FUCHS. Der TPz löst den MTW M 113 als Mannschaftstransportfahrzeug und als Führungspanzer ab.

Vom 03.-11.Mai 1981 steht die Teilnahme an der multinationalen Pioniergefechtsübung "BLACK GAP" auf dem Plan. Es wird zusammen mit dänischen und britischen Pionieren geübt. Der 20.Juni steht im Zeichen des 25-jährigen Bestehens der Panzerbrigade 18. Die PzPiKp 180 veranstaltet aus diesem Anlass einen "Tag der offenen Tür", zu dem ca. 250 Gäste erscheinen.

Der April 1982 bringt für die Kompanie die von allen Materialbewirtschaftern gefürchtete Prüfung §78 BHD. Der Kommandeur der Panzerbrigade sagt in einem Tagesbefehl vom 12.Mai folgendes aus:

„Die Prüfung gem. §78 BHO vom 14.-19.04. bei der PzPiKp 180 hat ein in allen Bereichen überdurchschnittliches Ergebnis erbracht. Die Bestandsführung in allen Fachgebieten, die Bewirtschaftung der MVG und die Führung der urkundlichen Bestandsnachweise wurden im Prüfbericht besonders hervorgehoben. Ich spreche der Kompanie meine Anerkennung für diese vorzügliche Leistung aus.“

Am 20. Juli feiert der Kompaniefeldwebel, HFw Conrad, sein 25. Dienstjubiläum, gleichzeitig wird er mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr ausgezeichnet. Im September nimmt die gesamte Kompanie an der NATO-Übung "BOLD GUARD 82" teil. Die zweite Überprüfung im Bereich Materialerhalt ist in diesem Jahr die TMP im Oktober. Am 29. November entsteht mithilfe der Kompanie in Segeberg ein Feuchtgebiet. Im Auftrag des Deutschen Bundes für Vogelschutz wird durch Sprengungen und Erdarbeiten ein Feuchtbiotop geschaffen.

Am 28. Januar 1983 wird der letzte MTW M 113 an das JgBtl 67 übergeben, der Generationswechsel ist vollzogen. Am 18.02. findet die Kompanieübergabe von Major Naue an den Hauptmann Thiemann statt, dieser ist jedoch nicht allzu lange Chef dieser Einheit. Am 21.02. nach drei Tagen gibt er, aus gesundheitlichen Gründen das Kommando wieder ab. Der Kompanieoffizier, Olt Ruck, führt die Kompanie bis der neue Chef, Hauptmann Müller am 14.April das Kommando übernimmt.

Die diesjährige Kompaniebesichtigung wird vom 27.02. - 09.03.1984 durch den KdrBrigEinh,auf dem Übungsplatz Munster vorgenommen. Während des Aufenthaltes in Munster begeht die Kompanie ihr 25 jähriges Jubiläum. Der Kompaniechef, Hauptmann Müller, geht in seiner Rede zu diesem Anlass, auf die bisherige Geschichte der PzPiKp 180 ein und schließt mit den Worten:

„... seien sie stolz auf ihre schwarzen Kragenspiegel und die Tatsache, diese als Mann der PzPiKp 18 tragen zu dürfen. Auf die Zukunft unserer Kompanie ein dreifaches ANKER WIRF.“

Nach vielen Chefwechseln steht am 30.03.der dritte Wechsel des Kompaniefeldwebel bevor. Der Stabsfeldwebel Conrad wird, nach mehr als 13 jähriger Tätigkeit als "Spieß", versetzt und der HFw Wrage übernimmt die Dienstgeschäfte des Kompaniefeldwebels. Der November bringt wieder eine Divisionsgefechtsübung mit sich. Vom 01.-11.11. läuft die Übung "BRISK FRAY" in Schleswig-Holstein.

Gleich zweimal wird der Große Zapfenstreich im November 1985 durchgeführt. Am 12.11. wird in Neumünster und am 13.11. in Lübeck das 30 jährige Bestehen der Bundeswehr gefeiert.

Zu Beginn des Jahres 1987 muss der Transportpanzer FUCHS seine Geländegängigkeit im harten Einsatz beweisen. 2 TPz des II.Zuges werden als Notarztfahrzeuge eingesetzt, da die zivilen Fahrzeuge in den Schneeverwehungen steckengeblieben sind. Am 24.März steht der Kompanie wieder einmal ein Chefwechsel ins Haus. Der Major Müller übergibt das Kommando über die Panzerpionierkompanie 180 an den Hauptmann Justus Meier zu Döldissen. Die Kompanie ist zur Übergabe auf der Teerhofinsel angetreten als sich der scheidende Chef, Major Müller, mit den Worten:" Ich bin stolz, ihr Chef gewesen zu sein“ verabschiedet. Es folgt der Vorbeimarsch der gesamten Kompanie mit allen Fahrzeugen.

Die Divisionsgefechtsübung "BRISK FRAY" bildet den absoluten Höhepunkt im November. Vom 30.10.-05.11 üben mehr als 13.000 Soldaten den Ernstfall in Schleswig - Holstein. Im November 1987 kommt es zu dem wahrscheinlich merkwürdigsten Schadensfall in der Geschichte der Kompanie. Es verschwinden 100 Sechseckplatten im Wert von mehreren tausend DM, tauchen dann wieder auf, verschwinden dann wieder. Des Rätsels Lösung ergibt sich dann aus vielen Vernehmungen und akribisch genauer Detektivarbeit. Die Angestellten und Arbeiter des PiÜbPl Teerhofinsel haben es mit der Buchführung nicht so genau genommen. Materialausgabelisten wurden nachträglich geändert.

Im November übernimmt die PzPiKp 180 die Patenschaft für die Pionierkompanie 610 und wird gleichzeitig noch mit dem Minenwerfer SKORPION ausgerüstet.

Am 03./04. September 1988 feiert das Pionierbataillon 61 sein 25.jähriges Bestehen. Der Höhepunkt dieser zweitägigen „Mammutveranstaltung“ ist die Geräteschau mit der Vorführung - Kriegsbrückenschlag. Mehr als 20 000 Besucher nutzen das schöne Wochenende, um sich ein Bild über die Leistungsfähigkeit der deutschen Pioniertruppe zu machen. Die PzPiKp 180 unterstützt die Veranstaltung mit Personal und Material.

Am 02.Mai 1989 übernimmt der PzBr u.PiPz Zg den ersten Pionierpanzer 2 DACHS. Die Epoche des M 48 Räumpanzers geht nun zu Ende, mit dem neuen Pionierpanzer verfügt die Pioniertruppe über ein leistungsfähiges System, das die Truppe befähigt, ihre Aufträge schneller, umfangreicher und vor allem sicherer durchzuführen.

Die Wiedervereinigung Deutschlands sorgt für große Veränderungen innerhalb der Kompanie. Nach ersten Besuchen in Brandenburg, wird bald klar, dass die Panzerpionierkompanie 180 im Jahre 1993 aufgelöst werden soll. Trotzdem geht das Tagesgeschäft mit spannenden Übungsplatzaufenthalten weiter.

Der „goldene“ Wasserübungsplatzaufenthalt im Jahre 1992 in Windheim-Jössen (bei Minden) findet für die Kompanie im August statt. Die Ausbildung beinhaltet wieder alle Themen, die auf-oder in der Nähe des Wassers stattfinden können. Als absolute Neuerung kommt in diesem Jahr die Ausbildung am Schlauchbootbrückengerät hinzu. Da die Kompanie im November, beider Übung " BLACK GAP mit diesem Gerät arbeiten soll, wird ein dänischer Zug mit dem SBB Gerät nach Windheim-Jössen eingeladen, um Gerät und Ausbilder zu stellen. Am 18.Dezember 1992 findet auf der Teerhofinsel ein Kompanieappell aus Anlass der Kompanieübergabe von Major Glaß an Olt Werner statt. Der letzte richtige Kompaniechef übergibt an diesem Tag die Führung der Kompanie an den Auflösungsbeauftragten.

Am 01. Januar 1993 ist es soweit, der Countdown beginnt. Der Kompanie oder besser gesagt den Überbleibseln der Kompanie verbleiben neunzig Tage um die Auflösung und die Absteuerung von Fahrzeugen und Gerät sicherzustellen. Zunächst wird der schwerste Zug, der Panzerbrücken und Pionierpanzer Zug nach Plön überführt, es folgt die Minenwerfergruppe und anschließend die Fahrzeuge und das Gerät der beiden Panzerpionierzüge.

Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, diese Fahrzeuge aus dem Kasernentor rollen zu sehen und zu wissen, dass dies nicht irgendeine Übung ist, bei der nach Übungsende wieder alle in den Standort und in die Kompanie zurückkehren. Jeder Fahrbefehl bedeutet eine Fahrt ohne Rückkehr. Diese Kompanie, die am 01.März auf ein 34 jähriges Bestehen zurückblickt, wird Stück für Stück amputiert. Die PzPiKp 180 war weit über die Grenzen der Brigade, ja selbst über die Grenzen der Division bekannt und hat in der gesamten Zeit ihres Bestehens stets zu dem beigetragen, was von der Bundeswehr erwartet wurde- zur Erhaltung des Friedens und zur Wahrung der freiheitlich, demokratischen Grundordnung dieses Landes.

Am 12.März feiern die Offiziere und Unteroffiziere der Kompanie letztmalig eine Feier in dieser Kompanie. Es wird zwar von allen Seiten beteuert, dass die PiKp 510 und die PzPiKp 180 zusammengeführt werden und gemeinsam die neue Brigadepionierkompanie bilden werden, aber welchen Wert haben diese Beteuerungen in der heutigen Zeit, in der die Bundeswehrplanungen einem monatlichen Änderungsdienst unterliegen?

Nichtsdestotrotz, das Personal der Kompanie ist in anderen Einheiten untergebracht, die Masse des Gerätes geht in die PiKp 510, es bleibt nur zu hoffen, dass der Geist dieser Kompanie, der so viele Jahre ihr Erscheinungsbild geprägt hat, auch seinen Platz finden wird und nicht verloren geht.

 

Anmerkung: Vielen Dank an die Kameraden der Panzerpionierkompanie 180, die sich regelmäßig treffen und mir die Chronik für diese Webseite zur Verfügung gestellt haben.